Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz ist keine Pflichtübung | Teju Nageswari
86 % der indischen Angestellten in Unternehmen kämpfen mit psychischen Problemen (CII-MediBuddy, 2025). nSmiles-Gründerin Teju Nageswari erklärt, wie echte betriebliche Gesundheit aussieht – und warum das Thema inzwischen ein finanzielles ist.
Guruprakash Sivabalan
Sprecher
Die meisten Unternehmen wissen, dass sie sich um mentale Gesundheit kümmern sollten. Doch nur wenige wissen, was das konkret bedeutet.
Da wird am Welt-Mental-Gesundheitstag eine Yoga-Session angeboten, eine Hotline per Rundmail verschickt oder eine Beratungsleistung in die Versicherung aufgenommen, die weniger als 2 % der Mitarbeitenden nutzen. Und dann wird das Thema abgehakt.
Teju Nageswari, Gründerin und CEO von nSmiles, nennt das beim Namen: eine reine Pflichtübung. In Folge #3 von Xobin Talks erklärt sie, warum das nicht reicht, wie echte betriebliche Gesundheit aussieht und weshalb Unternehmen, die das Thema ernst nehmen, dies nicht aus Altruismus tun – sondern weil die Faktenlage eindeutig ist.
Diese Folge wurde am Welt-Mental-Gesundheitstag, dem 10. Oktober, aufgezeichnet und von Guruprakash Sivabalan, Gründer und CEO von Xobin, moderiert. Das Motto des Tages, ausgerufen von der World Federation for Mental Health, lautete: „Make Mental Health and Well-Being for All a Global Priority.“ Das Gespräch, aufgenommen am Welt-Mental-Gesundheitstag 2022, ist heute aktueller denn je.
Warum ist mentale Gesundheit gerade jetzt ein globales Thema?
Wohlbefinden bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Fähigkeit, auf mentaler, körperlicher und organisationaler Ebene optimal zu funktionieren. Unternehmen, die erst bei einer Krise reagieren, setzen am falschen Ende an. Indien verzeichnete mit 59 % weltweit die höchste Burnout-Rate – deutlich über dem globalen Durchschnitt von 20 % laut einer McKinsey Health Institute-Umfrage unter 30.000 Beschäftigten in 30 Ländern (McKinsey Health Institute, 2023). Diese Zahl ist unverändert hoch.
Teju verknüpft das Motto des Welt-Mental-Gesundheitstags direkt mit dieser Realität. Es ging nicht um klinische Erkrankungen, sondern um die Erkenntnis, dass die meisten Unternehmensrichtlinien für die 2 % mit diagnostizierten Problemen gemacht sind – und die anderen 98 %, die täglich mit Stress, Unsicherheit, Beziehungsdruck, finanziellen Sorgen und Leistungsanforderungen kämpfen, übersehen werden.
Die Pandemie hat das verändert. Als Arbeit und Privatleben im selben Raum stattfanden, dazu Gesundheitsängste, finanzielle Unsicherheit und Jobangst kamen, wurde mentale Belastung zur Erfahrung der Mehrheit. Die meisten Organisationen waren darauf nicht vorbereitet.
Tejus Argument ist klar: Wohlbefinden ist ein Kontinuum. Am einen Ende steht optimale Leistungsfähigkeit, am anderen klinische Erkrankung. Die meisten Mitarbeitenden bewegen sich irgendwo dazwischen – und unbeachteter Stress schiebt sie unbemerkt Richtung Angst, Depression und Burnout, bis es teuer wird.
Tejus Sichtweise als Kontinuum, nicht als Entweder-oder, verändert die Strategie: Die Frage ist nicht „Haben wir eine Hotline?“, sondern „Wo stehen unsere Mitarbeitenden auf dem Kontinuum und was brauchen sie an jedem Punkt?“
Wie wirkt sich schlechte mentale Gesundheit auf die Unternehmensleistung aus?
Das Argument für mentale Gesundheit am Arbeitsplatz ist längst kein philosophisches mehr, sondern ein finanzielles. Schlechte mentale Gesundheit kostet indische Arbeitgeber jährlich rund $14 Milliarden durch Fehlzeiten, Präsentismus und Fluktuation (Deloitte India, zitiert von CSIS). Arbeitsstress allein führt zu 21 % mehr Fehlzeiten und 35 % weniger Produktivität (Deloitte India, 2022).
Teju beleuchtet die Auswirkungen auf mehreren Ebenen, die im HR-Alltag oft übersehen werden.
Zuerst leidet die Qualität von Entscheidungen. Wer mit finanziellen Sorgen, Beziehungsstress oder ungelösten Problemen zur Arbeit kommt, trifft keine optimalen Entscheidungen. Zwei mentale Lasten laufen parallel – die sichtbare auf dem Bildschirm und die unsichtbare im Kopf. Qualität, Tempo und Klarheit der Entscheidungen sinken – für Dashboards unsichtbar, für Geschäftsergebnisse langfristig sehr wohl spürbar.
Dann leidet die Zusammenarbeit. Hoher Stress und geringe Ressourcen führen zu weniger Toleranz im Team. Feedback wird als Kritik empfunden, Konflikte eskalieren schneller. Die Kosten dieser Reibung werden selten der wahren Ursache zugeschrieben.
Präsentismus ist das teuerste und am wenigsten beachtete Problem: Wer zwar am Schreibtisch sitzt, aber mental abwesend ist, arbeitet faktisch nicht. Das Gehalt läuft weiter, die Leistung bleibt aus. Teju sagt klar: Die meisten Unternehmen messen Präsentismus nicht – und wissen daher nicht, wie viel Produktivität direkt vor ihren Augen verloren geht.
Beim Thema Bindung ist die Rechnung eindeutig: Unternehmen mit strukturierten Gesundheitsprogrammen verzeichnen 25 % weniger Fluktuation und 32 % mehr Engagement (AceNgage, 2025). Da die Nachbesetzung eines Mitarbeitenden sechs bis 24 Monatsgehälter kostet, ist die Investition in Wohlbefinden schnell gerechnet.
Wie sieht eine echte Richtlinie für mentale Gesundheit im Unternehmen aus?
Eine echte Wohlbefindens-Strategie ist kein Einzelprogramm, sondern ein Set von Maßnahmen für die gesamte Bandbreite der Bedürfnisse – vom Berufseinsteiger bis zur Person mit chronischer Erkrankung. Nur 33 % der indischen Unternehmen haben formale Richtlinien, obwohl 86 % der Mitarbeitenden betroffen sind (CII-MediBuddy, 2025). Die Lücke zwischen Problembewusstsein und Reaktion ist enorm.
Teju benennt die Schwächen der gängigen Programme:
Die Teilnahmequote an klassischen Employee Assistance Programs (EAPs) liegt in Indien unter 2 %. Nicht, weil kein Bedarf besteht, sondern weil Stigma, Angst vor HR und die Unpersönlichkeit des Angebots die meisten fernhalten. Eine Hotline, die niemand nutzt, ist kein Gesundheitsprogramm, sondern ein Haftungsschutz.
Wirksame Maßnahmen sehen je nach Karrierephase unterschiedlich aus: Berufseinsteiger brauchen Zugehörigkeit und Unterstützung bei Leistungsdruck und Integration. Mid-Career-Profis kämpfen mit Karriere-Stagnation, familiären Verpflichtungen und finanziellen Sorgen. Führungskräfte erleben Gesundheitsprobleme oder Einsamkeit in der Rolle. Eine einzige Richtlinie kann das nicht abdecken – und die meisten versuchen es auch nicht.
Tejus Rezept: Angstfreie Räume sind entscheidend. Mitarbeitende müssen sicher sein, dass sie mit Vorgesetzten über psychische Belastungen, schwierige Schwangerschaften, chronische Krankheiten oder Trauer sprechen können, ohne um ihren Job zu fürchten. Diese Sicherheit entsteht nicht durch ein Papier, sondern durch das Verhalten der Führungskräfte – und gezielte Investitionen in deren Training zu Empathie und psychologischer Sicherheit.
Budgets zeigen Prioritäten. Die aktuellen Budgets für Wohlbefinden in indischen Unternehmen zeigen, wie ernst das Thema genommen wird: meist kaum. Teju sagt es klar: Ein Jahresbudget von Rs 90.000 für 10.000 Mitarbeitende ist kein Gesundheitsprogramm, sondern Symbolpolitik. Fortschritt machen die Unternehmen, die bedarfsorientierte, personalisierte und mehrstufige Maßnahmen in angemessener Größenordnung umsetzen.
Wie zeigen sich unbeachtete Stressoren im Recruiting und Assessment?
Angst und ungelöste psychische Belastungen bleiben nicht vor der Tür des Interviewraums. Sie begleiten Kandidat:innen und beeinflussen die Leistung – oft unsichtbar für reine Skill-Tests. 42 % der indischen Angestellten berichten von Angst- oder Depressionssymptomen, fast die Hälfte macht den Arbeitsplatz direkt dafür verantwortlich (Mpower Minds, 2023).
Unser Gründer Guruprakash schildert ein Beispiel aus der Praxis von Xobin als Talent Assessment Plattform: Ein Kandidat erzielt im Skill-Test Top-Ergebnisse, bricht aber in einer Live-Problemlösungssituation mit Publikum und echtem Zeitdruck ein. Das Wissen ist da – die Angst blockiert den Zugriff.
Teju erklärt den physiologischen Hintergrund: Ab einem mittleren Angstlevel springt das Alarmsystem des Gehirns an, der Fight-or-Flight-Modus dominiert, die Konzentration verengt sich, die kognitive Kapazität für komplexe Aufgaben sinkt drastisch. Was wie ein Kompetenzdefizit aussieht, ist oft eine Stressreaktion – und wer auf einer Skala von zehn bei vier oder fünf liegt, erlebt Alltagsherausforderungen als übergroße Bedrohung.
Für HR und Hiring Manager bedeutet das: Assessment-Daten zeigen, was jemand unter kontrollierten Bedingungen kann – aber nicht, welche Unterstützung nötig ist, um diese Leistung im Alltag zu halten. Strukturiert aufgebaute Formate wie AI Interviews können den Druck im Auswahlprozess senken. Unternehmen, die zudem Führungskräfte im Erkennen und Reagieren auf Stresssignale schulen, erzielen mit demselben Talent bessere Ergebnisse als solche, die nur auf den Einstiegstest setzen.
Welche fünf Selbstfürsorge-Praktiken schützen die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz?
Selbstfürsorge ist keine Wochenendaktivität, sondern tägliche Disziplin. Die fünf von Teju genannten Praktiken sind für alle zugänglich – unabhängig davon, ob der Arbeitgeber ein formelles Programm hat. Studien zeigen: Regelmäßige Bewegung, Achtsamkeit und soziale Bindungen sind die wirksamsten Schutzfaktoren für mentale Gesundheit.
Teju erklärt sie praxisnah und ohne Fachjargon:
1. Körperliche Aktivität
Täglich 30 Minuten Bewegung – kein Leistungssport, sondern Bewegung. Das ist die am besten belegte Maßnahme gegen Stress und für emotionale Widerstandsfähigkeit.
2. Emotionale Wahrnehmung
Wissen, wie man sich fühlt, bevor man reagiert. Dazu gehört, ein Vokabular für Gefühle zu entwickeln und Angst, Frust, Traurigkeit oder Überforderung klar zu benennen – statt alles pauschal als „Stress“ zu bezeichnen. Bewusstheit ist die Grundlage aller weiteren Bewältigungsstrategien.
3. Gesunde Bewältigungsstrategien
Bei Stress greifen viele zu negativen Strategien: Rauchen, Alkohol, Überarbeitung, Vermeidung, Tratschen oder Shopping als Betäubung. Das lindert nur kurzfristig und verschärft das Problem. Tejus Empfehlung: Nicht verurteilen, sondern gesündere Alternativen in den Alltag einbauen – auch nur eine. Mit einer vertrauten Person sprechen, ein kurzer Spaziergang, eine kleine Achtsamkeitsübung. Die Regelmäßigkeit zählt mehr als die Methode.
4. Kontinuierliches Lernen
Jeden Tag etwas Neues lernen, auch nur eine Kleinigkeit, hält das Gehirn aktiv und vermittelt Fortschritt. Teju sieht darin einen Zinseszinseffekt: Kleine tägliche Wissensimpulse summieren sich zu echter Kompetenz – und diese Entwicklung schützt die mentale Gesundheit.
5. Echte Verbindung
Mindestens eine Person am Arbeitsplatz, mit der man ehrlich sein kann. Nicht Wellness vorspielen, sondern wirklich teilen, was los ist. Isolation ist einer der stärksten Burnout-Prädiktoren. Bewusste, echte Gespräche – nicht nur ein Chat – sind ein unterschätztes Werkzeug, das jedem zur Verfügung steht.
Wann sollte man professionelle Hilfe für mentale Gesundheit suchen?
Das Signal ist eine anhaltende Veränderung im Alltag, nicht erst die Krise. Wenn die Fähigkeit zu arbeiten, zu schlafen, sich zu verbinden und zu engagieren dauerhaft nachlässt, ist professionelle Unterstützung angebracht. Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstwahrnehmung – und je früher, desto leichter die Erholung.
Teju nennt konkrete Warnsignale für sich selbst oder das Team:
Verlust an Freude an früheren Aktivitäten. Konzentrationsprobleme, die sich deutlich von normaler Müdigkeit unterscheiden. Übertriebene körperliche Reaktionen (Herzrasen, Atemnot) auf alltägliche Unsicherheit oder Feedback. Anhaltend negative Gedanken über Menschen oder Situationen. Grübelschleifen wie „Warum ich? Warum das? Warum jetzt?“, die sich nicht auflösen.
Der praktische Weg: Zuerst Selbstfürsorge (siehe oben). Reicht das nicht, vertraute Menschen einbeziehen, die Verständnis für mentale Gesundheit haben. Wenn das nicht genügt, das Beratungsangebot des Arbeitgebers nutzen. Falls Stigma das verhindert, externe Beratung suchen.
Die wichtigste Botschaft an Zögernde: Das einzige, was die Genesung verzögert, ist das Warten. Psychische Belastungen lösen sich nicht von selbst, wenn die Stressoren bleiben – sie verschärfen sich. Je früher die Unterstützung, desto kürzer der Weg zurück.
Was entwickelt nSmiles und wie können Unternehmen davon profitieren?
nSmiles bietet zwei Produkte für Unternehmen, die mehr als Symbolpolitik wollen. Für HR-Teams, die den Sprung von Problemerkennung zu echter Lösung schaffen wollen, beschreibt Teju zwei konkrete Angebote:
Erstens: Der Happiness Index – ein statistisch validiertes Assessment in sieben Bereichen des Wohlbefindens, das zeigt, wo die Mitarbeitenden auf dem Kontinuum stehen. Die Auswertung erfolgt nach Ebene: Führungskräfte, mittleres Management und Einsteiger werden separat betrachtet, da ihre Bedürfnisse unterschiedlich sind. Das Ergebnis ist kein Poster-Score, sondern eine strategische Empfehlung für CHROs, welche Maßnahmen für welche Gruppen sinnvoll sind.
Zweitens: Die App-basierte Selbsthilfeplattform My Happy Being (Google Play Store und iOS Store), speziell für indische Erwachsene. Sie deckt sechs Wohlfühl-Dimensionen ab: Selbst, Familie, Finanzen, Karriere, mentale und körperliche Gesundheit – inklusive Unterstützung bei chronischen Erkrankungen wie Fibromyalgie, Schlafproblemen und Körperbildthemen. Das Programm läuft in 50-Tage-Morgen- und Abendtracks, die unabhängig und ohne HR-Einbindung genutzt werden können.
Für Schüler:innen und Jugendliche von 13 bis 19 Jahren gibt es die Student Success App, die soziale und emotionale Kompetenzen fördert: Zeitmanagement, Überwindung von Prüfungsangst, Motivation, Umgang mit digitaler Abhängigkeit, Bewältigung von Angst und Niedergeschlagenheit. nSmiles wurde von UNICEF für die höchste statistische Validierung einer Wohlfühlplattform in Indien ausgezeichnet.
Die ganze Folge ansehen
Xobin Talks – Folge 3 | Teju Nageswari, Gründerin und CEO, nSmiles | Spezial zum Welt-Mental-Gesundheitstag | Moderation: Guruprakash Sivabalan, Gründer und CEO, Xobin
🎧 Video-Einbettung folgt in Kürze
Über Teju Nageswari
Teju Nageswari ist Gründerin und CEO von nSmiles, einer technologiegestützten Wohlfühlplattform, die über 5 Lakh Menschen in Indien direkt mit Workshops, Apps und Beratungsprogrammen erreicht hat. Sie startete ihre Karriere in der IT-Branche, bevor sie sich zur Beratungspsychologin ausbilden ließ – und bringt so eine seltene Gesamtsicht auf die Herausforderungen der Unternehmenswelt beim Thema mentale Gesundheit. nSmiles ist eine der wenigen Wohlfühlplattformen in Indien mit statistisch validiertem Produkt, ausgezeichnet von UNICEF. Ihr Ziel: Technologie, die Menschen wirklich nutzen – statt bloßer Richtlinien für die Ablage.
Mit Teju auf LinkedIn vernetzen | Unternehmen: nSmiles
Für Erwachsene: My Happy Being App (Google Play und iOS). Für Schüler:innen (13–19 Jahre): Student Success App.
Mehr Einblicke? Alle Gespräche im Xobin Talks Archiv entdecken.
Guruprakash Sivabalan · Mitgründer & CEO, Xobin
Guruprakash entwickelt seit über einem Jahrzehnt Recruiting-Technologien für großvolumige Einstellungsprozesse weltweit. Er arbeitet direkt mit Talentverantwortlichen an der Gestaltung von Assessments, der Wirtschaftlichkeit von Recruiting-Funnels und der Skalierung von Personalentscheidungen in internationalen Märkten.
Häufig gestellte Fragen
- Warum ist mentale Gesundheit am Arbeitsplatz ein geschäftskritisches Thema und nicht nur eine HR-Initiative?
- Schlechte mentale Gesundheit kostet indische Arbeitgeber jährlich $14 Milliarden durch Fehlzeiten, Präsentismus und Fluktuation. Für jeden investierten Re 1 in Programme zur mentalen Gesundheit erzielen Unternehmen Rs 3-4 an Rendite. Es ist ein finanzielles Thema – nicht nur ein menschliches.
- Was ist der Unterschied zwischen mentaler Gesundheit und Wohlbefinden?
- Mentale Gesundheit beschreibt das Vorhandensein oder Fehlen klinischer Erkrankungen. Wohlbefinden ist weiter gefasst: Es bedeutet, auf mentaler und körperlicher Ebene optimal zu funktionieren. Die meisten Mitarbeitenden sind nicht klinisch krank, erreichen aber auch nicht ihr volles Potenzial. Genau hier sollten Unternehmen ansetzen.
- Warum erreichen die meisten Programme zur mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz die Mitarbeitenden nicht?
- Klassische EAPs in Indien haben eine Teilnahmequote unter 2 %. Hauptgründe sind Stigma, Angst vor Bekanntwerden bei HR und unpersönliche Angebote. Programme, die wie eine Pflichtübung wirken, werden von Mitarbeitenden auch so wahrgenommen.
- Welche fünf Selbstfürsorge-Praktiken fördern die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz?
- Tägliche Bewegung (30 Minuten), emotionale Wahrnehmung (Gefühle benennen), gesunde Bewältigungsstrategien statt Vermeidung oder Betäubung, kontinuierliches Lernen und mindestens eine echte Verbindung am Arbeitsplatz. Diese sind für alle Mitarbeitenden zugänglich – unabhängig von der Unternehmenspolitik.
- Wann sollte man professionelle Hilfe für mentale Gesundheit suchen?
- Wenn die alltägliche Leistungsfähigkeit dauerhaft nachlässt: Verlust an Freude, Konzentrationsprobleme, übertriebene Stressreaktionen oder wiederkehrendes Grübeln. Zuerst vertraute Personen einbeziehen, dann ggf. das Beratungsangebot des Arbeitgebers nutzen. Je früher die Unterstützung, desto kürzer der Weg zurück.
- Was gehört zu einer echten Richtlinie für mentale Gesundheit am Arbeitsplatz?
- Mehrstufige Maßnahmen für verschiedene Beschäftigtengruppen, keine Einheitslösung. Angstfreie Räume für persönliche Themen ohne Karriererisiko. Führungskräftetraining in Empathie und Früherkennung. Budgets, die dem Ausmaß des Problems entsprechen – nicht nur Symbolpolitik.
- Wie beeinflusst unbeachtete mentale Gesundheit die Leistung in Assessments und Interviews?
- Angst aktiviert das Alarmsystem des Gehirns und verringert die kognitive Kapazität für komplexe Aufgaben. Ein Kandidat, der im Test überzeugt, kann in einer Live-Situation mit Druck deutlich schlechter abschneiden. Was wie ein Kompetenzdefizit aussieht, ist oft eine Stressreaktion.
- Was bietet nSmiles für Unternehmen und Mitarbeitende?
- Zwei Produkte: einen Happiness Index, der das Wohlbefinden der Mitarbeitenden in sieben Dimensionen misst und strategische Empfehlungen für CHROs liefert, sowie die My Happy Being App, mit der Mitarbeitende ihr Wohlbefinden in sechs Lebensbereichen selbst steuern können. Beide sind statistisch validiert. Für Schüler:innen (13–19 Jahre) gibt es die Student Success App.
Mehr aus dem Xobin Hub
- NeuigkeitenXobin führt kontrollierte KI-Interviews einBestimmen Sie exakt, welche Fragen gestellt werden, welche Kompetenzen geprüft werden, in welcher Sprache – und lassen Sie dann ein KI-Interview mit jeder eingeladenen Person führen, per Video oder Audio.
- HR Awards2026 Top 50 HR Leaders RecognitionWir feiern die Menschen, die die Zukunft der Arbeitswelt gestalten. 150 Führungskräfte aus HR, Talentgewinnung, Lernen und Entwicklung sowie I/O-Psychologie werden in drei Kategorien ausgezeichnet.

